Malerei 1985

Der Maler malt – aber das Es führt den Pinsel.

Die Arbeiten des Jahres 1985 gehören zu den wichtigsten meines frühen Schaffens.

Sie entstanden nicht als geplanter Zyklus, sondern aus einer intensiven Auseinandersetzung mit dem menschlichen Leib, mit Freiheit, Verletzlichkeit und den Möglichkeiten der Malerei. Erst viele Jahre später wurde mir bewusst, wie eng diese Arbeiten miteinander verbunden sind.

Mehr über ihre Entstehung und ihren Zusammenhang erzähle ich auf meinem Blog im Essay „Zwischen Nonkonformismus und Selbstbefragung“.

Thomas Gatzemeier Mann im Käfig | 1985 | Öl auf Leinwand 130 x 100 cm
Mann im Käfig | 1985 | Öl auf Leinwand | 130 x 100 cm
Thomas Gatzemeier o.T. (Zwei Frauen) 1985 Öl auf Leinwand 100 x 130 cm
Thomas Gatzemeier | o.T. (Zwei Frauen) | 1985 | Öl auf Leinwand | 100 x 130 cm

Der Künstler im Atelier Döbeln/Sachsen – Uferstraße 5

Thomas Gatzemeier | Verbeugung | 1985 | Öl auf Leinwand | 110 x 130 cm
Verbeugung | 1985 | Öl auf Leinwand | 110 x 130 cm
Thomas Gatzemeier | Paar auf Bett | 1985 | Öl auf Leinwand | 110 x 140 cm
Paar auf Bett | 1985 | Öl auf Leinwand | 110 x 140 cm
Thomas Gatzemeier Zwei Frauen 1985 Öl auf Leinwand 130 x 100 cm
Zwei Frauen | 1985 | Öl auf Leinwand | 130 x 100 cm
Nach zwei Jahren Ausstellungsverbot und zahlreichen Repressionen wurde die Familie Gatzemeier im März 1968 aus der DDR ausgebürgert und zog nach Karlsruhe.

Aufnahmen des Ateliers in Döbeln

„Ich malte diese Bilder nicht als Werkgruppe. Erst vierzig Jahre später erkannte ich ihren Zusammenhang.“

Thomas Gatzemeier ein Paar 1985 Öl auf Leinwand 140 x 110 cm
Ein Paar | 1985 | Öl auf Leinwand | 140 x 110 cm
Thomas Gatzemeier Harlekin und Columbine 1985 Öl auf Leinwand 130 x 110 cm
Harlekin und Columbine | 1985 | Öl auf Leinwand | 130 x 110 cm
Thomas Gatzemeier In der Manege 1985 Öl auf Leinwand 120 x 140 cm
In der Manege | 1985 | Öl auf Leinwand | 120 x 140 cm

„Mich interessierte nie die Illustration einer Geschichte, sondern der menschliche Leib als Ausdrucksträger existenzieller Erfahrungen.“

Thomas Gatzemeier Woman 1985 Öl auf Leinwand 120 x 110 cm
Woman | 1985 | Öl auf Leinwand |120 x 110 cm
Thomas Gatzemeier Sitzende 1985 Öl auf Leinwand 130 x 110 cm
Sitzende 1985 Öl auf Leinwand 130 x 110 cm
Thomas Gatzemeier Licht im Keller 1985 Öl auf Hartfaser 120 x 140 cm
Licht im Keller | 1985 | Öl auf Hartfaser | 120 x 140 cm

„Starke Bilder entstehen selten im luftleeren Raum. Innere und äußere Bedingungen prägen sich in die Malerei ein.“

Thomas Gatzemeier Antike Szene mit Krieger 1985 Öl auf Leinwand 115 x 136 cm
Antike Szene mit Krieger | 1985 | Öl auf Leinwand | 115 x 136 cm
Thomas Gatzemeier Die Blinden 1985 Öl auf Leinwand 110 x 130 cm
Die Blinden | 1985 | Öl auf Leinwand | 110 x 130 cm

„Jede Zeit hinterlässt ihre Farben. Manchmal erkennt man ihre Dunkelheit erst viele Jahre später.“

…Tatsächlich unterschied sich diese Form von Expressivität signifikant von der Malerei der Neuen Wilden. Zum einen arbeitete sie nicht mit zeichnerischen Kürzeln und greller Farbgebung, sondern sie zeigte eine rein malerische Auffassung und beschränkte sich dabei auf eine kleine Palette von Erd- und Fleischtönen.

Diese auf das Inkarnat bezogene, schmale Palette war jedoch nuanciert ausdifferenziert, kurz: sie bot delikateste Malerei. Der Malprozess begann meist mit der Setzung einzelner abstrakter Elemente auf die leere Leinwand, die sich dann zu einem wuchtigen Weibsbild formierten. Beispielhaft sei eines dieser Aktgemälde ohne Titel herangezogen, das den besondern Charakter dieser Serie zu zeigen vermag: Der Körper sprengt das Format der Leinwand, er scheint ohne Anfang und Ende, ohne Kopf, Gliedmaßen und Schultern. Die Figur besteht aus üppigen Brüsten, Bauch und Hüften, die direkt aus dem Leinwand-Rumpf herauszuwachsen scheinen. Schnell fanden sich kunstkritische Stimmen, die diese Qualität erkannten und „die körperhafte, malerische Energie“ und den „erotischen Furor“ in den konvulsischen Farbformen üppiger weiblicher Körper“ lobten.

Dr. Christiane Holm

Arbeiten auf Papier

Thomas Gatzemeier Knieende 1985 Kohle auf Bütten 32 x 24 cm
Thomas Gatzemeier Knieende 1985 Kohle auf Bütten 32 x 24 cm

Plastik

Figur aus Kirschbaumholz | 1985 | Höhe ca. 60 cm

BIOGRAFIE VON THOMAS GATZEMEIER

Beim Malen hatte ich nie das Gefühl, ein theoretisches Programm umzusetzen. Natürlich begann jedes Bild mit einer gewissen Vorstellung. Doch schon nach kurzer Zeit verselbständigte sich der Malprozess. Das Bild verlangte nach anderen Farben, nach einer anderen Figur oder einer völlig neuen Komposition. Manchmal löscht man etwas aus, um neues daraus entstehen zu lassen.

Sigmund Freud bezeichnete einen Teil unseres psychischen Lebens als das „Es“. Ich habe diesen Begriff nie nur psychoanalytisch verstanden. Während des Malens hatte ich oft das Gefühl, dass etwas arbeitet, das sich meinem bewussten Willen entzieht. Das Ich hält den Pinsel in der Hand, doch das Es kennt den Weg.

Vielleicht erklärt das auch, weshalb ich erst Jahrzehnte später begriff, dass die Arbeiten des Jahres 1985 eine zusammenhängende Werkgruppe bilden. Während ihres Entstehens wusste ich das nicht. Das Es wusste es offenbar früher als ich.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Kommentar absenden