Malerei 1985
Der Maler malt – aber das Es führt den Pinsel.
Die Arbeiten des Jahres 1985 gehören zu den wichtigsten meines frühen Schaffens.
Sie entstanden nicht als geplanter Zyklus, sondern aus einer intensiven Auseinandersetzung mit dem menschlichen Leib, mit Freiheit, Verletzlichkeit und den Möglichkeiten der Malerei. Erst viele Jahre später wurde mir bewusst, wie eng diese Arbeiten miteinander verbunden sind.
Mehr über ihre Entstehung und ihren Zusammenhang erzähle ich auf meinem Blog im Essay „Zwischen Nonkonformismus und Selbstbefragung“.
Aufnahmen des Ateliers in Döbeln
„Ich malte diese Bilder nicht als Werkgruppe. Erst vierzig Jahre später erkannte ich ihren Zusammenhang.“
„Mich interessierte nie die Illustration einer Geschichte, sondern der menschliche Leib als Ausdrucksträger existenzieller Erfahrungen.“
„Starke Bilder entstehen selten im luftleeren Raum. Innere und äußere Bedingungen prägen sich in die Malerei ein.“
„Jede Zeit hinterlässt ihre Farben. Manchmal erkennt man ihre Dunkelheit erst viele Jahre später.“
…Tatsächlich unterschied sich diese Form von Expressivität signifikant von der Malerei der Neuen Wilden. Zum einen arbeitete sie nicht mit zeichnerischen Kürzeln und greller Farbgebung, sondern sie zeigte eine rein malerische Auffassung und beschränkte sich dabei auf eine kleine Palette von Erd- und Fleischtönen.
Diese auf das Inkarnat bezogene, schmale Palette war jedoch nuanciert ausdifferenziert, kurz: sie bot delikateste Malerei. Der Malprozess begann meist mit der Setzung einzelner abstrakter Elemente auf die leere Leinwand, die sich dann zu einem wuchtigen Weibsbild formierten. Beispielhaft sei eines dieser Aktgemälde ohne Titel herangezogen, das den besondern Charakter dieser Serie zu zeigen vermag: Der Körper sprengt das Format der Leinwand, er scheint ohne Anfang und Ende, ohne Kopf, Gliedmaßen und Schultern. Die Figur besteht aus üppigen Brüsten, Bauch und Hüften, die direkt aus dem Leinwand-Rumpf herauszuwachsen scheinen. Schnell fanden sich kunstkritische Stimmen, die diese Qualität erkannten und „die körperhafte, malerische Energie“ und den „erotischen Furor“ in den „konvulsischen Farbformen üppiger weiblicher Körper“ lobten.
Arbeiten auf Papier
Plastik
BIOGRAFIE VON THOMAS GATZEMEIER
Beim Malen hatte ich nie das Gefühl, ein theoretisches Programm umzusetzen. Natürlich begann jedes Bild mit einer gewissen Vorstellung. Doch schon nach kurzer Zeit verselbständigte sich der Malprozess. Das Bild verlangte nach anderen Farben, nach einer anderen Figur oder einer völlig neuen Komposition. Manchmal löscht man etwas aus, um neues daraus entstehen zu lassen.
Sigmund Freud bezeichnete einen Teil unseres psychischen Lebens als das „Es“. Ich habe diesen Begriff nie nur psychoanalytisch verstanden. Während des Malens hatte ich oft das Gefühl, dass etwas arbeitet, das sich meinem bewussten Willen entzieht. Das Ich hält den Pinsel in der Hand, doch das Es kennt den Weg.

















